Lärmschutz in Stäfa: Baudirektion für schludrige Abklärungen gerügt

Stäfa Seestrasse Google Maps

In der ganzen Schweiz müssen Gemeinden und Kantone bis 31. März 2018 an ihren Strassen die Lärmgrenzwerte einhalten. Das ist nötig, weil der Strassen ein gravierendes, bisher aber vernachlässigtes Umwelt- und Gesundheitsproblem darstellt. Gemäss Umweltbericht 2014 leben allein im Kanton Zürich rund 370'000 Personen, die von übermässigem Strassenlärm betroffen sind. Um den Strassenlärm zu reduzieren, sieht der Bundesrat in der Lärmschutzverordnung Massnahmen an der Quelle, d.h. Geschwindigkeitsreduktionen vor. Für die Kantonsstrassen ist die kantonale Baudirektion zuständig. Diese arbeitet nun offenbar so schludrig, dass sie jetzt in einem konkreten Fall, der Seestrasse in Stäfa, vom Baurekursgericht des Kantons Zürich massiv gerügt wurde.

An der Seestrasse in Kehlhof, Stäfa, ist der Strassenlärm viel zu hoch, zum Teil werden sogar die Alarmgrenzwerte überschritten. Die Geschwindigkeit für Autofahrende ist bei Tempo 60 festgesetzt. Weil die Strasse saniert wird, muss auch die Lärmfrage geklärt werden. Die kantonale Baudirektion hat nun einfach behauptet, Temporeduktionen seien von vornherein unverhältnismässig. Und sie hat nicht einmal in einem Gutachten abklären lassen, wie gross denn das Lärmminderungspotential von Temporeduktionen überhaupt sei.

Gegen diese schludrige Arbeitsweise haben sich Anwohnerinnen und Anwohner zu Recht gewehrt. Und das Baurekursgericht hat in deutlichen Worten zu verstehen gegeben, dass ein solches Vorgehen der Baudirektion schlicht und einfach unhaltbar sei. Dies nicht zuletzt, weil auch schon das Bundesgericht in einem Leitentscheid an der Grabenstrasse im Kanton Zug festgehalten hatte, dass die Lärmsanierung wirklich ernst genommen werden muss. Erst wenn gar keine anderen Massnahmen mehr möglich sind, und als „ultima ratio“, dürfen Lärmschutzfenster als Ersatzmassnahme eingesetzt werden. Allerdings gelten Lärmschutzfenster nicht als Lärmsanierungsmassnahme. Bei jeder neuerlichen Strassensanierung muss somit der Lärmschutz von Neuem abgeklärt werden. Von daher drängt es sich auf, statt Lärmschutzfenstern als Placebomittelchen von Anfang an einen nachhaltigen Lärmschutz zu betreiben.