Autofreies Wohnen

Ausgangslage

In den letzten Jahrzehnten wurde intensiv an der autogerechten Stadt geplant und gebaut. Dabei ging vergessen, dass es diese autogerechte Stadt gar nicht geben kann. Neben den lange verdrängten Umweltproblemen lässt auch der knappe Raum in den Städten eine autogerechte Stadt nicht zu. In den letzten Jahren ist das Verständnis für all diejenigen, die über gar kein Auto verfügen, oder nicht mehr besitzen, aber wieder gewachsen. Es ist auch ins Bewusstsein gerückt, dass in vielen Städten der Schweiz, aber auch Europas, der Anteil der autofreien Haushalte bei rund 40 bis 50% liegt. Und ohne diesen hohen Anteil "Autofreier" würde die Stadt gar nicht mehr funktionieren können.

Entwicklung im Kanton Zürich

Der Kanton Zürich weist sehr unterschiedliche Entwicklungen auf. Während in den eher ländlichen Regionen der Motorisierungsgrad noch steigt, nimmt der Motorisierungsgrad in den urbanen Ballungsräumen, also in der Stadt Zürich, im Glatttal und im Limmattal ab.

Entwicklung in der Stadt Zürich

In der Stadt Zürich liegt der Anteil der autofreien Haushalte bei rund 45%. Vor allem in den zentraleren Stadtquartieren findet eine eigentlich Entmotorisierung statt. Hier sind die Voraussetzungen für die gezielte Förderung autofreien Wohnens ideal. 

Informationsblätter der Stadt Zürich:

 

Während die Stadt Zürich eine Abnahme der Motorisierung ingesamt verzeichnet, sind einzelne Stadtquartiere schon auf dem Weg zu weitgehend autofreien Quartieren. Sie profitieren von einer exzellenten Anbindung an den öffentlichen Verkehr, von vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten und generell von der Tatsache, dass sich die meisten Dinge des täglichen Lebens in Fuss- oder Velodistanz erledigen lassen. Die zunehmende Entmotorisierung lässt sich sehr gut an den Stadtquartieren rund um die geplante autofreie Siedlung Kalkbreite zeigen.

Projekt Verkehrssparen

Der VCS hat in einem gemeinsamen Projekt mit dem Club der Autofreien, Fussverkehr Schweiz, der Stadt Zürich, der Hochschule Rapperswil und dem Schweizerischen Verband für Wohnungswesen in sieben ausgewählten Genossenschaftssiedlungen in der Stadt Zürich untersucht, welche Rahmenbedingungen für autofreies Wohnen gegeben sein müssen. Dabei wurde festgestellt, dass autofreies Wohnen heute viel weiter verbreitet ist, als allgemein angenommen, dass in den untersuchten Siedlungen die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft in der Mobilität schon weitgehend erfüllt sind. Aufgezeigt wird auch, was es braucht, um diese Wohnform noch besser zu verankern.

Medienmitteilung Verkehrssparen

Studie "Verkehrssparen in Siedlung und Quartier"

Bericht Stadt Zürich über autofreies Wohnen

Rechtliche Grundlagen

Planungs- und Baugesetz des Kantons Zürich

Das Zürcher Planungs- und Baugesetz hätte an sich immer schon die rechtliche Grundlage für autofreies Wohnen zur Verfügung gestellt. Allerdings wurde dieser Artikel für autofreies Wohnen noch nie angewendet. 

§ 242, Absatz 2 legt die Grundlage dafür:

"Im Normalfall soll die Zahl der Abstellplätze so festgelegt werden, dass die Fahrzeuge der Benützer einer Baute oder Anlage ausserhalb des öffentlichen Grundes aufgestellt werden können. Besteht ein überwiegendes Interesse, insbesondere des Verkehrs oder des Schutzes von Wohngebieten, Natur- und Heimatschutzobjekten, Luft und Gewässern, kann die Zahl der erforderlichen Plätze tiefer angesetzt und die Gesamtzahl begrenzt werden."

Gestaltungsplanverfahren

Immerhin bietet das kantonale Recht die Grundlage mit Gestaltungsplänen autofreie Wohnsiedlungen zu schaffen.

Parkplatzverordnung der Stadt Zürich

In der neuen städtischen Parkplatzverordnung, am 28. November 2010 von der Stadtzürcher Bevölkerung in eine Volksabstimmung gutgeheissen, wird nun explizit die rechtliche Grundlage für autofreies Wohnen geschaffen.

Art 8, Abs. 5 der PPV legt fest:

"Autoarme Nutzungen können von der Nachweispflicht ganz oder teilweise befreit werden, sofern ein reduzierter Bedarf über ein Mobilitätskonzept nachgewiesen und durch ein Controlling dauerhaft sichergestellt wird."

Informationen aus der Abstimmungszeitung

Die Parkplatzverordnung ist allerdings noch nicht in Kraft, weil Gewerbeverband, Hauseigentümerverband, ACS und City-Vereinigung dagegen einen Rekurs eingereicht haben.

Beispiele für autofreie Wohnsiedlungen

Vauban, Freiburg im Breisgau

Das Vorzeigebeispiel für eine autofreie Wohnsiedlung steht in Freiburg im Breisgau. Am Ort einer ehemaligen Kaserne finden sich rund 2000 Wohnungen für 5000 Bewohnerinnen und Bewohner. Das Stadtquartier ist mit einer eigenen Stadtbahnlinie erschlossen und bestens für Fussgängerinnen und Velofahrende eingerichtet. 500 Wohnungsbesitzer haben sich zu autofreiem Wohnen verpflichtet. Sie sind im Verein autofreies Wohnen e.V. organisiert. Dank diesem innovativen Modell liegt die Autobesitzquote für das Quartier bei nur 95 Autos pro 1000 EinwohnerInnen (Zürich 378). Die verbleibenden Autos werden in zwei zentralen Parkhäusern am Rande des Quartiers abgestellt. Dadurch steht der öffentliche Raum den Bewohnerinnen und Bewohnern, den FussgängerInnen, den Velofahrenden zur Verfügung. Neben der Autofreiheit wartet das Vaubanquartier mit einer interessanten Architektur, aber auch mit vielen weiteren ökologischen Innovationen auf.

Webseite Vauban

Sihlbogen, Zürich-Leimbach

Die Siedlung Sihlbogen der Baugenossenschaft Zurlinden in Zürich Leimbach ist der 2000 Watt-Gesellschaft verpflichtet. Es entsteht eine gemischte Überbauung mit 200 Wohnungen und Gewerbeflächen. Neben einer Parkplatzzahl, die erstmals unter dem Minimalbedarf der städtischen Parkplatzverordnung liegt, ist ein Jahresabonnement des Zürcher Verkehrsverbundes im Mietpreis inbegriffen.

Baubeginn: Frühjahr 2011

Webseite Sihlbogen

Die Siedlung Kalkbreite in Zürich Aussersihl bietet in 89 Wohnungen Raum für für 230 Personen, daneben werden 5000 m2 Fläche für Läden, Kulturräume, Gastronomielokale, Büros und Ateliers vermietet. Dazu kommt ein Miniplexkino. Die Bewohnerinnen und Bewohner verpflichten sich dazu, kein Auto zu besitzen, die Geschäftsinhaber, den Arbeitsweg ohne Auto zurückzulegen. Dafür gibt es 300 Abstellplätze für Velos, die Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist mit der Lage über einem Tramdepot und dem Bahnhof Wiedikon in der Nähe hervorragend. Im Mobilitätskonzept wird ein Teil der Mieteinnahmen für Mobilitätsmassnahmen der BewohnerInnen vorgesehen.

Grundlage des autofreien Wohnes ist ein Gestaltungsplan.

Im Juli 2014 ist die Kalkbreite vollständig bezogen und stellt einen Meilenstein in der städtischen Wohn- und Verkehrspolitik dar.

 

Kalkbreite: Ein markanter Bau
Ein neues Stück Stadt - der Innenhof
Autofrei aber nicht autobefreit - Blick Richtung Lochergut und Seebahnstrasse

Burgunder, Bern Bümpliz

Die Siedlung Burgunder in Bern-Bümpliz bietet 80 Wohnungen an. Die BewohnerInnen verpflichten sich dazu, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Damit gilt die Siedlung Burgunder als erste autofrei Wohnsiedlung der Schweiz. Für den Notfall stehen Besucherparkplätze zur Verfügung. 

Realisiert

Webseiten Burgunder http://www.npg-ag.ch/  und www.laubenhaus.ch